In meiner Masterarbeit «Grünau – was geht (noch)?» beschäftigte ich mich mit der Zukunftsfähigkeit der Großwohnsiedlung Lausen-Grünau im Leipziger Westen. Ausgangspunkt meiner Arbeit ist die Frage, wie sich ein Stadtteil, der von strukturellen Herausforderungen wie demografischem Wandel, Funktionsverlusten und monofunktionalen Strukturen geprägt ist, weiterentwickeln kann – ohne ihm dabei ein starres oder fremdes Konzept überzustülpen.
Stattdessen verstehe ich meine Arbeit als einen ergänzenden Impuls, der auf bereits vorhandenen Qualitäten und Initiativen aufbaut. Grünau ist ein Stadtteil, in dem bereits viel passiert, und genau daran möchte ich anknüpfen. Auf Grundlage einer umfassenden Analyse habe ich zentrale Handlungsfelder definiert, darunter Mobilität, Bewegung, Bildung, Gemeinschaft, dritte Orte sowie die Qualifizierung von Grünflächen. Daraus leite ich Entwurfsparameter wie Modularität, Rückbaubarkeit, Barrierefreiheit, Partizipation und die bewusste Nutzung des „Dazwischen“ ab.
Vor dem Hintergrund unsicherer Zukunftsszenarien und sich wandelnder Anforderungen an Stadt und Gesellschaft begreife ich temporäre Architektur als zentrales Werkzeug meiner Arbeit. Für mich sind temporäre Bauten keine Zwischenlösung, sondern eine eigenständige Typologie, die es ermöglicht, flexibel, ressourcenschonend und experimentell auf Veränderungen zu reagieren. Anstatt irreversible Eingriffe vorzunehmen, eröffnen sie Spielräume für Anpassung und Aneignung.
Mein Entwurf überlagert die bestehende Stadtstruktur mit einem übergeordneten Raster und einem Netzwerk aus Interventionen unterschiedlicher Maßstäbe. Diese reichen von kleinen, dezentralen Elementen wie Rastplätzen und Treffpunkten bis hin zu größeren Bausteinen wie einem Stadtteilhaus als sozialem Zentrum. Ergänzt wird das Konzept durch Maßnahmen zur Aktivierung von Grünflächen, zur Stärkung bestehender Wegebeziehungen und zur Förderung nachhaltiger Mobilität.
Dabei verfolge ich bewusst einen integrativen Ansatz: Einige Interventionen sind langfristig angelegt und reagieren gezielt auf bestehende Bedarfe, während andere aus eher impulsiven Ideen heraus entstehen und offen für Weiterentwicklung bleiben. Mein Projekt versteht sich nicht als abschließende Lösung, sondern als dynamisches System von Möglichkeiten. Informelle Nutzungen und Aneignungsprozesse sehe ich dabei als wichtige Hinweise auf zukünftige Entwicklungen.
Insgesamt geht es mir darum zu zeigen, wie durch kleinmaßstäbliche, flexible Eingriffe ein großmaßstäblicher Stadtteil behutsam transformiert werden kann. Mein Ziel ist es, Räume zu schaffen, die nicht nur funktional sind, sondern als lebendige, vielfältige und gemeinschaftsstiftende Orte von den Bewohner*innen aktiv mitgestaltet und weitergedacht werden können.
06 plakat
01.01 schwarzplan
01.03 karten
portfolio
portfolio
gif2